Erzhlbnde & Kurzprosa

Zwei Geschichten in einem Band

Der Autor Jean-Jacques Reinhardt hat mit "Die Stafette & Der Durchschnittsfranzose" zwei kurzweilige Geschichten geschrieben. W?hrend die eine von einer Tat und zwei Schuldigen handelt, dreht sich die andere Geschichte um die Gier der Nation.

"Die Stafette"

Der Viertkl?ssler Daniel st??t aus Versehen an einen Tisch mit Keramikarbeiten, w?hrend seine Mitsch?ler in der Pause auf dem Schulhof sind. Nur Eric verweilt zum gleichen Zeitpunkt in seiner Klasse, h?rt aber nichts von dem Missgeschick im Nebenraum. Doch die Tatsache, dass er nicht mit drau?en war, sondern im Klassenzimmer, macht ihn verd?chtig. Sehr schnell steht bei seinen Mitsch?lern fest, dass nur er der T?ter gewesen sein kann. Niemand hat Daniel auf der Rechnung, der sich geschickt nach dem Ungl?ck auf dem Pausenhof gezeigt hat, um alle Schuld von sich weisen zu k?nnen. Und so wird Eric vorverurteilt. Doch es gibt Zweifler, auch in den Parallelklassen.

Die Idee eines Gerichtsverfahrens - unter Ausschluss der Erwachsenen - ist schnell gefasst. Sie w?hlen einen Ankl?ger, einen Verteidiger und einen Richter, sowie einige Geschworene, um Eric die Tat nachweisen zu k?nnen. Eric wird sehr schnell schuldig gesprochen und verurteilt. Er wird fortan von allen gemieden. Eric leidet sehr darunter, doch nach einer ganzen Weile ist die Tat verziehen. Durch einen ungl?cklichen Umstand jedoch ger?t Eric mit einem Mitsch?ler aneinander, weil er versehentlich dessen Fahrrad kaputt f?hrt. Es kommt zu einer Rangelei und Eric wird dabei schwer verletzt ? mit weitreichenden Folgen f?r Eric, seine Familie und die Klasse.

Die Erz?hlung "Die Stafette" ist gespickt mit unvorhergesehenen und zum Teil dramatischen Ereignissen. Sie zeugt von der heutigen Zeit, in der sehr schnell Anklage erhoben wird, auch ohne hinreichende Beweise. Ist einmal ein Vorurteil oder eine Verleumdung in Umlauf, so ist es sehr schwer, das Gegenteil zu beweisen, zumal sich sowieso keiner mehr daf?r interessiert, wenn es einmal einen Schuldigen gegeben hat. Das Vergn?gen beim Lesen dieser Geschichte wird nur getr?bt durch den Umstand, dass die Viertkl?ssler mit Argumenten daherkommen und mit Ausdrucksweisen, die eigentlich eher Acht- oder Zehntkl?ssler haben. Auch ihre Gedankeng?nge sind nicht die solch junger Kinder, sondern eher die von ann?hernd Erwachsenen. Doch trotzdem ist diese Geschichte sehr gelungen, weil sie einen Missstand in unserer Gesellschaft aufzeigt und die Folgen verdeutlicht.

"Der Durchschnittsfranzose"

Das franz?sische Fernsehen sucht den Durchschnittsfranzosen, um der Nation zu zeigen, wie dieser lebt, wie er situiert ist, wo dieser seinen Urlaub verbringt und dergleichen mehr. Man findet Francois Jacot und seine Familie: Frau Muriel, Tochter Nicole, Sohn R?my und der Golden Retriever Champion. Sie werden abgelichtet, gefilmt, interviewt und bald kennt ganz Frankreich die Jacots. Doch wegen ihrer neuen Ber?hmtheit kann die Familie nirgends mehr unbehelligt flanieren. Sie bekommen ein Haus, ein neues Auto, eine Lebensversicherung, aber auch Gegenst?nde f?r den Hausgebrauch geschenkt. Alles nur, um der Nation das Leben des durchschnittlichen Franzosen n?herzubringen.

Auf nur wenigen Seiten erf?hrt man, worauf es im Leben eben nicht ankommt! Sicherlich geht f?r die Familie Jacot letztlich alles gut aus, ihnen entstehen nur wenige, bis keine Nachteile, ganz im Gegenteil. Aber wie voyeuristisch ist die Menschheit und wie gierig ist sie danach zu wissen, wie andere leben, wie viel Geld sie zur Verf?gung haben, f?r was sie es ausgeben, wo und wie sie wohnen und vieles mehr? Anschaulich und pr?zise entf?hrt uns der Autor in diese Welt. Schlussendlich fragt man sich, ob es das wert ist ...

Tanja K?sters
25.01.2010 

Eine Lesung aus diesem Buch finden Sie hier: 
http://www.autoren-tv.de/vorschaltseiten/reinhardt_intro.html

 
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Das Buch:

Jean-Jacques Reinhardt: Die Stafette & Der Durchschnittsfranzose

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Frankfurt am Main: Weimarer Schiller-Presse 2009
106 S., 12,40
ISBN: 978-3-8372-0505-3

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