Erzählbände & Kurzprosa
Robert Walsers lustigsten und frechsten Texte aus zwei Jahrzehnten
Mindestens ein Buch von Robert Walser sollte jeder schon einmal in seinem Leben gelesen haben. Der Schweizer Autor gehört(e) zu den Superstars der deutschsprachigen Literaturszene. Seine unkonventionellen, teils rätselhaft wirkenden Werke wurden von Zeitgenossen wie Walter Benjamin, Hermann Hesse, Franz Kafka, Robert Musil und Kurt Tucholsky geschätzt. Trotz Anfangserfolgen blieb Robert Walser der kommerzielle Durchbruch verwehrt. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Armut. Nach psychischen Problemen lebte er von 1929 bis zu seinem Tod in Heil- und Pflegeanstalten. Heute gilt er als einer der wichtigsten Schweizer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und sein Werk wird international rezipiert.
Robert Walser ein Humorist? Man kennt ihn als Poeten, der die Natur besingt, als "writer's writer", als seismografischen Beobachter seiner Zeit. Doch nicht unbedingt als einen Autor, der Lacher erntet. Diese Auswahl präsentiert den witzigen, spöttischen, frechen, kurz: den höchst vergnüglichen Robert Walser. Schon Franz Kafka wusste um dessen Humor: Beim Vorlesen aus dem Werk seines bewunderten Kollegen soll er unter schallendem Gelächter vom Stuhl gefallen sein.
Fünf Themenbereiche mit den Titeln: "Rede an einen Ofen", "Schriftsteller Walser", "Literaturteufelei", "Im Kuhstall" und "Der neuntgrößte Dichter", sind prallgefüllt mit zwei- bis dreiseitigen Texten, die sich an Humor und Amüsement geradezu überbieten. Und sie zeigen, dass das Schriftseller-Dasein durchaus eine (Welt-)Meisterschaft ist. Nur wenige Vertreter dieser Kunstform können sich den Titel sichern. Aber Walser gleich mehrere Male. Toll, dass es Verlage wie gibt wie den Berliner Insel Verlag. Dieser setzt dem Könner mit dem vorliegenden Buch zwar nicht unbedingt ein Denkmal, aber zumindest eine liebevolle Erinnerung an den Schweizer zwischen zwei Buchdeckeln. Dafür danke!
Unterhaltung, dank der man einen ordentlichen Lachmuskelkater bekommt - so ergeht es einem jedenfalls ab dem ersten Satz von "Spott macht Spaß". Robert Walser zeigt mit einer Extraportion Humor, dass die Feder definitiv schärfer ist als jedes Schwert. Dem Leser bereitet der Schweizer eine kurzweilige Lektüre, bei der weder Langeweile noch eine Laus auf der Leber auch nur den Hauch einer Chance hat. Ihn zu lesen, lässt einen grinsen noch breiter als ein Honigkuchenpferd. Was diese Veröffentlichung so besonders macht? Es braucht für einen vergnüglichen Abend lediglich gut 150 Buchseiten. Sofort sind Fernseher, Computer und Smartphone vergessen. Also, eine Entdeckung lohnt sich! Diese hier hat auf den Leser einen Erholungseffekt wie ein zwei-, dreiwöchiger Urlaub.
Susann Fleischer
05.05.2025
