Medien & Gesellschaft

Amerika , das Land der Superlative

Der italienische Journalist Beppe (Giuseppe) Severgnini hat sich einem besonderen Projekt gewidmet: Er und seine Familie ließen sich für ein Jahr in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. nieder, genauer gesagt im Stadtteil Georgetown. Er wollte die Lebensgewohnheiten der Amerikaner kennen lernen, die er schließlich in dem Buch "Überleben in Amerika" zusammengefasst hat.

Im April 1994 reist Severgnini mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten ein, mit diesem Moment setzt auch die Handlung des Buches ein. In den nun zwölf folgenden Monaten revidiert der Autor manche Vorurteile, während andere bestätigt werden. Es geht beispielsweise um die Allmacht der Kreditkarte - die man allerdings nur erhält, wenn man eine Kreditvergangenheit vorweisen kann. was für ein Paradoxon! Aber die Kreditkarte erweist sich schnell als ein Muss, kann man doch nur mit der kleinen Plastikkarte ein Auto kaufen, was in den USA unerlässlich ist. Severgnini stellt schnell fest, dass die amerikanische Gesellschaft - zumindest im Washingtoner Sommer - nicht auf Klimaanlagen verzichten kann. Die Inbetriebnahme eines solchen Kühlwunders gestaltete sich am Anfang jedoch für Familie Severgnini äußerst kompliziert. Auch allseits bekannte Klischees, wie der McDonald's-Kult, der ein Grund für die Fettleibigkeit vieler amerikanischer Staatsbürger ist, oder der Zwang nach Kontrolle, denn schließlich hat jeder Amerikaner das Recht auf eine Waffe, werden diskutiert. Die vermeintlichen Vorurteile werden meistens bestätigt, ohne allerdings den (moralischen) Zeigefinger zu heben. Selbstverständlich kommen Politik und die meinungsbildenden Medien wie Zeitung, Radio und Fernsehen nicht zu kurz in Severgninis Amerika-Porträt.

Beppe Severgnini, der 2004 zum "Europäischen Journalisten des Jahres" gewählt wurde, ist es gelungen, ein Buch über die amerikanische Gesellschaft und deren Kultur zu verfassen, ohne zu (ver-)urteilen. Er schreibt in einem lockeren, amüsanten und verständlichen Stil - ähnlich wie in einer Kolumne. Doch erfährt der Rezipient nicht nur etwas über das amerikanische Alltagsleben, sondern der Autor bezieht auch andere Länder wie sein Heimatland Italien, außerdem England und Deutschland mit ein. So versucht Severgnini Vergleiche zwischen den Kulturen zu ziehen und eine Verbindung zwischen ihnen herzustellen. Severgninis Buch ist ein witziger und (selbst-)ironischer Kulturvergleich, den es zu lesen lohnt.

Susann Fleischer
27.04.2009

 
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Das Buch:

Beppe Severgnini: Überleben in Amerika ... ohne fromm, unbescheiden oder tiefgefroren zu werden. Aus dem Italienischen von Bruno Genzler

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München: Blessing Verlag 2009
320 S., € 18,95
ISBN: 978-3-896-67373-2

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