Medien & Gesellschaft

Die Welt von Dickens , Wilde und Co.

London - heute eine Weltstadt mit rund 7,5 Millionen Einwohnern hat eine jahrhundertelange Geschichte von Eroberung, Belagerung, Befreiung, Pest, Brandkatastrophen und beständigem Wiederaufbau vorzuweisen. Es gibt kaum bessere Zeitzeugen dieser Entwicklung - insbesondere in kulturgeschichtlicher Hinsicht - als literarische Texte der verschiedenen Epochen. Die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Eveline Kilian führt den Leser mit ihrem literarischen Reiseführer nicht nur durch die verschiedenen Viertel und vorbei an den berühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt, sondern auch durch verschiedene Epochen der Literatur- und Kulturgeschichte Londons.

Die acht Kapitel von "London. Eine literarische Entdeckungsreise" orientieren sich an den berühmtesten Londoner Stadtvierteln und laden den Leser auf den ein oder anderen Spaziergang durch die Metropole ein - ob im Geiste oder in der Realität. So spaziert man durch die City, das im Mittelalter von Mönchen bewirtschaftete Gebiet Covent Garden mit der Prachtstraße "Strand", die Literaten- und Künstlerviertel Bloomsbury und Soho, das Regierungsviertel Westminster oder durch das glamouröse und elegante West End und das ärmlich und elende East End, die historisch schon immer die gesellschaftlichen Gegensätze der Einwohner widerspiegelten.

Die von Kilian ausgewählten Werke stammen sowohl von so Größen wie William Shakespeare, Oscar Wilde, Charles Dickens und Virginia Woolf, aber auch von weniger bekannten Autoren wie P.D. James, Geoff Nicholson, A.S. Byatt, Monica Ali, Sarah Waters oder Hanif Kureishi. Die Entstehungszeit der jeweils zitierten literarischen Passagen, anhand derer Eveline Kilian die Spaziergänge durch die Stadtviertel lebendig und plastisch werden lässt, umspannen insgesamt einen Zeitraum von vier Jahrhunderten. So taucht man mit Dickens’ Oliver Twist ein in die Armenviertel des East End, mit Virginia Woolfs Mrs. Dalloway flaniert man die Prachtstraße Strand entlang, man unternimmt den ein oder anderen Opernbesuch oder vertreibt sich die Zeit in den Kaffeehäusern von Covent Garden. Auf keinen Fall fehlen dürfen die berühmte Baker Street im West End und die Abenteuer des Sherlock Holmes. Aber nicht nur Autoren englischer Herkunft werden zitiert, sondern auch Theodor Fontane aus seinen "Aufsätzen und Berichten aus England" oder Friedrich Engels aus "Die Lage der arbeitenden Klasse in England".

Praktisch ist, dass die einzelnen Kapitel des Buches in sich abgeschlossen sind und somit auch in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können, je nachdem, welchen Stadtteil man gerade "besuchen" möchte. Zwar spielen Abbildungen in einem literarischen Reiseführer eine untergeordnete Rolle, jedoch fallen die Abbildungen (15 s/w-Abbildungen) in "London. Eine literarische Entdeckungsreise" ein wenig dürftig aus; ein Leser, der noch nie in London war, hat recht wenig Möglichkeiten, sich ein Bild von dem eigentlichen Aussehen der Monumente und Stadtviertel zu machen und muss ganz auf die Wirkung der literarischen Beschreibungen vertrauen.

Sabine Mahnel
22.09.2008

 
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Das Buch:

Eveline Kilian: London. Eine literarische Entdeckungsreise

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Darmstadt: WBG 2008
216 S., 24,90
ISBN: 978-3-534-17239-9

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