Medien & Gesellschaft

Was ist eigentlich der dritte Feminismus?

Bettina Schmitz, Philosophin und Autorin, hat ein Buch geschrieben, welches den dritten Feminismus beleuchtet, ihn überhaupt als Nachfolger der ersten und zweiten Frauenbewegung verständlich macht. Das tut sie auf mannigfaltige Art und Weise; nämlich wissenschaftlich, philosophisch, religiös und gesellschaftskritisch. Sie schildert das Entstehen des dritten Feminismus anhand von Briefwechseln, Zitaten, Freud’schen Feststellungen, Essays, gesellschaftlichen Vorurteilen und Behauptungen, eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen.

Der dritte Feminismus ist die logische Schlussfolgerung und Entwicklung zweier vorhergehender Phasen. Die frauengeschichtliche Forschung mit der ersten Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. Als zweite Frauenbewegung gilt allgemeinhin die der 70er Jahre. Durch radikalfeministische Bewegungen wurde über einen langen Zeitraum für Gleichstellung gekämpft. Inzwischen ist dieses extrem aktive Vorgehen abgeebbt und man könnte meinen, alle Ziele wären erreicht. Doch die Realität sieht anders aus, denn Gleichstellung ist nicht gleichbedeutend mit gesellschaftlicher Anerkennung. Erreicht wurde bisher, mal ganz klassisch gesehen, z. B. das Frauenwahlrecht, das Ausüben-Dürfen von einst typisch männlichen Berufen etc. Doch die Frau von heute muss sich noch immer rechtfertigen, sich auseinandersetzen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mit dem Ausführen von Führungspositionen. Welch Raunen ging durch das Land als Angela Merkel Bundeskanzlerin wurde. Für die Frauen nicht mehr wie Recht, von Männern noch immer belächelt und in Frage gestellt, ob so eine Führung überhaupt funktionieren, gar gut gehen kann? Inzwischen ist es sogar so, dass Feminismus und Emanzipation negativ ausgelegt werden. Frauen haben es ja nicht mehr nötig, so radikal für Gleichstellung zu kämpfen. Weit gefehlt. Doch die Autorin klärt auch auf, dass nicht immer die eingeschlagenen Wege die richtigen sind und zum Erfolg führen, denn so ist es dazu gekommen, dass bei vielen Männern der Anschein entstanden ist, dass Frauen männerfeindlich sind, ihnen nicht nur ebenbürtig, sondern überlegen sein wollen. Dabei geht es darum nicht und ging es niemals. Es geht darum sich als Frau selbst zu erkennen, die eigenen Fähigkeiten und das eigene Können etc. Sein Leben einzuordnen und dieser Basis ein Gesicht zu verleihen, damit am öffentlichen Leben teilzunehmen, die vorhandene Gesellschaft ergänzen und das auch einfordern. Die männliche Welt muss damit klar kommen, ob sie es nun akzeptieren kann oder nicht. Es darf keine Richtlinien geben, wie stark Männer die Gesellschaft ergänzen dürfen und wie stark Frauen. Und schon gar nicht, wer in welchem Bereich. Jeder wie er kann und will, ohne Einschränkungen geschlechtlicher Art. Doch bisher gab es überwiegend gesellschaftliche Bereiche, die traditionell der Frau zugeordnet wurden. Dabei wird ja auch deutlich, dass auch Männer in ihren Rollen gefangen waren, was die geschlechtliche Arbeitsteilung angeht.

Die Autorin wägt die Wichtigkeit der philosophischen Differenz heute ab. Der dritte Feminismus umreißt den gegenwärtigen Stand der Diskussion auf einem philosophischen Hintergrund. Nicht mehr nur sexuelle und rein biologische Gesichtspunkte zählen. Mittelpunkt ist das Stadium der Gemeinsamkeit, weg von typischen Frauenprivilegien. Niemand streitet ab, dass Frauen und Männer unterschiedliche Interessen haben, aber diese zu deklarieren in typisch männlich und weiblich und daraus womöglich noch Richtlinien zu machen, kann nicht der Sinn sein und damit räumt der Feminismus mit seiner dritten Welle auf. Er will den Balanceakt zwischen beidem, ohne auch nur einem zu schaden und doch für wirkliche gesellschaftliche Anerkennung der Frau zu sorgen. Und zwar durch Denkweisen jenseits der Geschlechtergrenzen. Männer dürfen Frauen nicht ausgrenzen und umgekehrt. Wie und vor allen Dingen warum man diese aufkommende dritte feministische Welle in Gang bringen, bzw. halten sollte, erfährt der Leser in diesem Buch.

Tanja Küsters
07.07.2008

 
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Das Buch:

Bettina Schmitz: Der dritte Feminismus

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Aachen: Ein-Fach-Verlag 2007
185 Seiten, 17,80
ISBN: 978-3-928089-45-6

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