Medien & Gesellschaft
Zur Transzendenz- und Sozialphilosophie von Emmanuel Lévinas
"Die Verantwortung ist ein gemeinsames Werk", schreibt Teodor Bernardus Baba, "und es gibt nie ein Ende der Verantwortung, was der Anfang des Egoismus wäre. Zusammenleben bedeutet, dass es immer einen Anderen gibt, der auch der Andere meines Anderen ist, der immer transzendiert sein wird. Das Ich kann nie den Anderen beseitigen, auch wenn mit dem Ich das Ich dieses Anderen bezeichnet wird, denn mein Ich ist für diesen Anderen auch ein Anderer."
In seinem 218 Seiten umfassenden philosophischen Werk "Abhängigkeit und Unabhängigkeit vom Anderen" legt Teodor Bernardus Baba die vielschichtige Interdependenz der Menschheit dar, der sich keiner entziehen kann, da sie naturgegeben ist. Was wir allerdings beeinflussen bzw. bestimmen können - jeder für sich selbst -, ist unser Umgang mit dieser natürlichen Gegebenheit. Genau hier kommt die Verantwortung jedes Einzelnen ins Spiel - eine Antwort auf das Leben, auf den Anderen, auf dich und auf mich.
Dabei nimmt der Autor in seinen Ausführungen Bezug auf zahlreiche Philosophen und Denker aus verschiedenen Zeitepochen und setzt sich intensiv, reflektiert und kritisch mit ihren Werken und Gedanken auseinander, wobei hier der Fokus auf die Transzendenz- und Sozialphilosophie von Emmanuel Lévinas gelegt wird, wie der Untertitel bereits vermuten lässt, und dies insbesondere vor dem Hintergrund der hebräischen Tradition, die wiederum nicht von der Bibel getrennt werden kann. So wird denn auch die Religion als Beziehung zum Anderen betrachtet: "Der Mitmensch ist nicht der Gott des Ich. Durch die Benutzung des Begriffs 'Anderer' will Lévinas nicht den Menschen vergöttern, sonst würde er den Gedanken von Nietzsche nahekommen; er will nur den Mitmenschen vor seiner Vernichtung durch das Ich schützen. Lévinas unterstreicht sein Mitmenschsein, nämlich sein Außenbleiben in Bezug auf das Ich, und nicht sein Ichsein."
Die Verantwortung für den Anderen und für mich selbst inkludiert - neben der Religion - ebenfalls den Staat, die Politik und den Wohlstand: "Wenn man eine gottlose Gesellschaft will, die nur auf der Bedürfnisbefriedigung der Menschen aufgebaut ist, gründet sich die Gesellschaft nicht auf Wahrheit, sondern auf Meinung. Die heutige Politik zieht die Meinung der Wahrheit vor. Lévinas will durch sein Philosophieren diese auf der Meinung begründete Politik korrigieren. Die Gesellschaft muss sich auf der Wahrheit gründen, und die Wahrheit ist, wie schon gesagt, die doppelte und nur die doppelte Verantwortung des Ich. Eine Gesellschaft, die Gott vernachlässigt, verliert das einzige Menschenziel, d.h. die Verantwortung, aus den Augen."
Insofern verharrt Teodor Bernardus Baba bei seinen Ausführungen nicht in der Theorie, sondern spannt gekonnt den Bogen zu einer realitätsnahen Praxis mit dem Ziel und der Intention, diese zum Guten - oder gar zum Besseren - hin zu transformieren, ohne freilich den Anspruch zu erheben, Patentlösungen anbieten zu können - das wiederum wäre nicht nur hochmütig und selbstverliebt, sondern auch realitätsfern. Vielmehr geht es ihm darum, das Individuum zum selbstständigen Denken - und damit zur (Eigen-)Verantwortung - anzuregen, denn nur wer denkt, öffnet sich dem Geheimnis und den mannigfaltigen Möglichkeiten des Lebens.
"Dieses Denken, das mehr denkt, als es denkt, öffnet sich dadurch, fast in der Weise des existenziellen Begehrens, zum Anderen und verwandelt sich also in die Idee des Guten. Das Denken, das mehr denkt, als es denkt, drückt die Idee des Guten aus."
Alexandra Eryiğit-Klos
22.09.2025
