Buch des Monats - Februar 2012

Ein literarischer Welterfolg kommt nach Deutschland

Der Meister des Horrors, Stephen King, war erst 16 Jahre alt, als US-Präsident John F. Kennedy in Dallas einem hinterhältigen Anschlag erlag. Auch acht Jahre später ließ ihn dieses Kapitel der US-amerikanischen Geschichte nicht los und er trug sich mit dem Gedanken, aus diesem Stoff einen packenden Roman zu machen. Doch das Projekt wurde - vorerst - aufs Eis gelegt, denn der Schriftsteller war sich alles andere als sicher, ob er dieser großen Aufgabe gerecht werden könnte. Zum Glück aber verschwand die Idee nicht im Papierkorb, sondern wurde sorgfältig in der Schreibtischschublade aufbewahrt - bis er diese viele Jahre später wieder öffnete und aus der Idee einen großartigen Roman machte. "Der Anschlag" ist das sensationelle Ergebnis dieser Arbeit, das Leser auf der ganzen Welt verschlingen wollen. Es ist Kings bislang bestes Buch, denn es bietet perfekte Unterhaltung für viele, viele Stunden. 

Der Beginn eines Abenteuers, das einen packt und das für Gänsehaut sorgt 

Jake Epping ist zwar nicht glücklich, aber immerhin einigermaßen zufrieden mit seinem Leben. Er arbeitet als Englischlehrer an einer Highschool und genießt sein Single-Dasein in vollen Zügen. Doch eines Tages ändert sich alles, als er einen Anruf von seinem guten Freund Al Templeton bekommt. Er bittet ihn, umgehend in seine Bar zu kommen, denn er hätte ihm etwas Wichtiges zu erzählen. Kaum im "Al's" angekommen erlebt Jake eine böse Überraschung. Offenbar hat Al innerhalb der letzten 24 Stunden 20 Kilo abgenommen und ist schwer gezeichnet vom Lungenkrebs. Für dieses Rätsel gibt es nur eine Lösung: Al hat ein Portal gefunden, mit dem er in das Jahr 1958 zurückreisen kann. Dabei eröffnen sich Möglichkeiten, die nahezu unglaublich sind. Wie sähe die Welt aus, wenn der Anschlag auf John F. Kennedy hätte verhindert werden können? 

Für Al ist die Aufgabe klar: Jake soll in die Zeit zurückreisen und Lee Harvey Oswald in seinem Vorhaben aufhalten. Dieser Plan hat unerwartete Folgen, denn die Vereinigten Staaten der 50er und 60er Jahre ist so viel anders als zu der Zeit, in der Jake seinen Kampf mit dem Alltag bislang auszustehen hatte. Mit genügend Geld in der Tasche landet er in einer Bar, wo er sich ein Bier bestellt. Es ist der 9. September 1958 um 11:58 Uhr und Jake bleibt vor Staunen beinahe der Mund offenstehen. Als er nach 2011 zurückkehrt, muss er feststellen, dass seit seiner Zeitreise nur zwei Minuten vergangen sind. Er erkennt, dass sich ihm hier eine Chance offenbart, die einmalig im Leben ist, und ergreift sie beim Schopfe. Die Worte seines Freundes Al haben sich ihm im Gedächtnis eingebrannt: "Rette Kennedy, dann rettest du auch Martin Luther King, verhinderst den Vietnamkrieg, rettest Millionen." 

Nach einem Kurzaufenthalt im Jahr 1958 beschließt Jake, Als Bitte nachzukommen. Er will Lee Oswald aufhalten und findet sich in einer Welt wieder, in der Elvis die Melodie vorgibt. Es ist ein Traum von großen amerikanischen Autos und beschwingten Highschool-Tanzveranstaltungen - und für Jake der tollste Ort der Welt. Hier lernt er auch die hübsche Bibliothekarin Sadie Dunhill kennen. Sie bringt ihn um den Verstand und ist die große Liebe seines Lebens. Aber auch sie ahnt nichts von dem Geheimnis, das Jakes Herz belastet und das ihn unruhig werden lässt. Je weiter Jake seinem Ziel näher rückt, desto bizarrer wehrt sich die Vergangenheit gegen ihn und seine Pläne - mit aller gnadenlosen Gewalt, die sich auch gegen Jakes neue Liebe richtet ... 

Ein Meister gibt sich die Ehre 

Niemand beschwört den leisen Horror so gut herauf wie Stephen King. Er ist einer der besten Autoren der Welt und landet mit seinen Romanen regelmäßig in den Bestsellerlisten. Auch sein neuestes Werk "Der Anschlag" ist grandiose Literatur, die für die Nerven und das Herz eine große Belastungsprobe bedeutet. Angenehmer Grusel macht sich bei der Lektüre breit - obwohl der US-amerikanische Schriftsteller diesmal neue Wege begeht: Er schreibt die Geschichte seines Heimatlandes neu und lässt tief in dessen Historie und zugleich Seele blicken. Dabei wird es spannend, gefühlvoll und extrem aufregend, sodass gute Unterhaltung in jedem Fall garantiert ist. So kurzweilig und interessant zu lesen war solch ein dicker Wälzer - schließlich ist das Buch mit mehr als 1000 Seiten nicht unbedingt ein Leichtgewicht - selten. Stephen King schenkt mit "Der Anschlag" nicht nur seinen Fans ein geniales Vergnügen, von dem man sich wünscht, dass es niemals ein Ende finden möge. 

Susann Fleischer
06.02.2012

 
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Das Buch:

Stephen King: Der Anschlag. Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner

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Mnchen: Heyne Verlag 2012
1056 S., 26,99
ISBN: 978-3-453-26754-1

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