Buch des Monats - Oktober 2010

Nette Geschichtsstunde: Folletts "Sturz der Titanen"

1000 Seiten Roman klingen zun?chst nach harter Arbeit. Erst recht, wenn es um die d?stere Zeit des Ersten Weltkriegs geht. Doch Ken Folletts neuer Roman "Sturz der Titanen" ist nicht nur spannend - sondern auch angenehmer Geschichtsunterricht.

Wenn Deutsche in britischen Romanen auftauchen, kommen sie meistens nicht gut weg. Besonders, wenn es um die Zeit von Kaiserreich und Erstem Weltkrieg geht. In Ken Folletts neuem Roman ist das anders. Ein deutscher Diplomat und eine britische Adlige sind die Protagonisten. Der Waliser umrei?t in "Sturz der Titanen" die Zeit unmittelbar vor und w?hrend des Ersten Weltkrieges. Follett ("Die Nadel", "Die S?ulen der Erde") entf?hrt die Leser in eine Welt, in der es eine un?berbr?ckbare Kluft zwischen Adligen und Angestellten, Kapitalisten und Arbeitern und nicht zuletzt Engl?ndern, Franzosen und Deutschen gibt. Im Mittelpunkt des W?lzers mit mehr als 1000 Seiten steht ein St?dtchen in Wales. W?hrend die Kumpel unter Tage in st?ndiger Lebensgefahr Kohle abbauen, werden im Herrenhaus Empf?nge f?r illustre G?ste gegeben.

Historische Pers?nlichkeiten wie K?nig Georg V. oder Winston Churchill treffen auf erfundene wie Earl Fitzherbert oder eben den deutschen Diplomaten Walter von Ulrich. Dieser verliebt sich in Fitzherberts Schwester. Eine Ehe w?re trotz der unterschiedlichen Nationalit?ten zwar vielleicht gerade noch m?glich. Doch der Weltkrieg trennt die Engl?nderin und den Deutschen.

Die Handlung ist komplex und f?hrt nach Amerika und ins revolution?re Russland. Erfreulich ist, dass die Guten zwar durchweg gut, aber die B?sen nicht ganz so holzschnittartig schlecht sind wie sonst h?ufig bei Follett.

So ganz kann der Autor dann aber doch nicht aus seiner Haut: So sind die Frauen bei dem Feministen Follett fast durchweg gut, die Arbeiter bei dem Labouranh?nger Follett durchweg ehrlich und die Engl?nder bei dem Waliser Follett durchweg hinterlistig. Doch ganz so rechtlos wie der Bestsellerautor schreibt, waren Frauen, Dienstboten und Arbeiter auch vor 100 Jahren nicht.

Nebeneffekt bei der Lekt?re von "Sturz der Titanen" ist,  dass der Leser auf angenehme Art eine Geschichtslektion bekommt. Follett beschreibt detailliert, wie es zum Ersten Weltkrieg kam und wie sich der Putsch der Kommunisten in Russland und die Spirale der Gewalt entwickeln konnte. Allerdings: F?r ein reines Schul- und Geschichtsbuch w?re "Sturz der Titanen" viel zu spannend.

Chris Melzer, dpa
04.10.2010

 
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Das Buch:

Ken Follett: Sturz der Titanen. Mit Illustrationen von Tina Dreher. Aus dem Englischen von Rainer Schumacher und Dietmar Schmidt

Kln: Bastei Lbbe Verlag 2010
1022 S., 28,00
ISBN 978-3-7857-2406-4

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