Buch des Monats - Dezember 2007

Verborgenes Juwel der US-Literatur

Tennessee Williams, Kurt Vonnegut und Joyce Carol Oates geh?rten zu seinen wortstarken Verehrern. Richard Yates sei ?die Stimme einer ganzen Generation?, r?hmte Vonnegut seinen weniger namhaften Kollegen mehrfach. Kein anderer habe den Alltag im Amerika der drei?iger bis sp?ten sechziger Jahre so klar, ehrlich und einf?hlsam zu Papier gebracht wie Yates. Sieben Romane und zwei B?nde mit Kurzgeschichten lie? der geb?rtige New Yorker bei seinem Tod 1992 zur?ck. Obwohl er nie eine breite und lukrative Leserschaft gewann, z?hlen Yates Werke durch ihre unsentimentale Offenheit zu den Juwelen der amerikanischen Erz?hlliteratur des 20. Jahrhunderts.

Die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) in M?nchen stellt mit ?Verliebte L?gner? jetzt das vierte Buch des US-Chronisten in Deutschland vor. Im Original (?Liars in Love?) bereits 1981 erschienen, schildern die sieben Short Stories das Streben ganz normaler B?rger nach Gl?ck - und immer wieder ihr unvermeidbares Scheitern. Yates Geschichten sind von der Zeit der Depression, des Zweiten Weltkrieges und den Nachkriegsjahren ?berschattet. Ihre Tristesse aber liegt, wie der Autor glauben macht, ganz generell im menschlichen Schicksal: ?Wir sind fast alle zur Einsamkeit verdammt. Das ist die Tragik.

?Da ist die Bildhauerin, die den Kopf des US-Pr?sidenten Franklin D. Roosevelt im Auftrag des Wei?en Hauses modellieren darf und die Chance ihres Lebens hoffnungslos verpatzt. Zwei M?tter versagen kl?glich bei dem Versuch, ihren Kindern gemeinsam ein einigerma?en heiles Zuhause zu bieten. Ein erfolgloser Schriftsteller setzt auf der Suche nach dem Durchbruch verantwortungslos das Gl?ck seiner kleinen Familie aufs Spiel. Ein Fulbright-Stipendiat l?uft in London einer Prostituierten in die Arme und nutzt diese bald schamlos aus. W?hrend die junge Frau zwanghaft Geschichten erfindet, um das eigene Elend zu kaschieren, entlarvt er sich mit seiner Berechnung und K?lte als der eigentliche L?gner.

Yates Charaktere sind Tr?umer, die falschen Idealen und Werten nachjagen. Seine M?nner leiden unter Selbst?bersch?tzung und nehmen jede Art Erniedrigung auf sich, um ihren Zielen n?her zu kommen. Die M?tter in seinem Erz?hlband sind geschieden, wie der Autor selbst als Sohn geschiedener Eltern heranwuchs und die eigenen drei T?chter an seine Ex-Frau verlor. Yates Frauen trinken zu viel, sind haltlos und eitel, vernachl?ssigen den Nachwuchs oft ?ber Liebschaften und sind ein Nichts in den Augen ihrer Kinder und ihrer Umgebung.

?Man hat das Gef?hl, dass seine Menschen nie weiterkommen?, schrieb Oates einmal ?ber die Figuren in den Werken des von ihr sehr gesch?tzten Kollegen. (...) Eine triste, graue, t?dliche Welt, Tr?ume ohne Substanz, Altern ohne die entsprechende Reife: Das ist die Welt von Yates, und sie ist nicht sch?n.? Einige Kritiker vergleichen Yates mit Kafka: Je mehr sich Kafkas Personen aufgelehnt h?tten, desto tiefer seien sie gefallen. Andere sehen in seiner Vision von der Aussichtslosigkeit menschlichen Strebens nach Gl?ck - der Antithese zum ?American Dream? - auch die Erkl?rung f?r Yates mangelnden Zuspruch im eigenen Land.

Gisela Ostwald
01.12.2007

 
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Das Buch:

Richard Yates: Verliebte Lügner

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München: Deutsche Verlags-Anstalt 2007
320 S., € 19,95
ISBN: 978-3-421-05860-7

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