Wissenschaften

Do what thou wilt shall be the whole of the Law

– das oberste Gesetz des modernen Satanismus, von Aleister Crowley zu Beginn des 20. Jahrhunderts formuliert, lässt der Interpretation großen Raum und reicht von harmlosen Attitüden in der Musikszene (Black Sabbath und die Rolling Stones dürften hier zum Urgestein zählen) bis hin zu sog. Ritualmorden, wie sie bspw. die Manson Family 1969 verübt hat (im Lexikon werden auch die Satansjünger aus Sondershausen und Witten genannt, oder Gilles des Raiz, der im 15. Jahrhundert 140 Jugendliche opferte). Man könnte dies die Schattenseite des Satanismus nennen, die glücklicherweise die seltene Ausnahme bildet.

Mehrheitlich finden sich unter Namen wie Church of Satan, Temple of Seth oder Process Church of Last Judgement düster gesinnte Menschen zusammen, die – unter dem Banner bestimmter Glaubenssätze – in Schwarzen Messen der "dunklen Seite der Macht" frönen; die nackte Frau auf dem Altar ist dabei ein durchaus übliches Requisit, das jedoch weniger der Opferung, als vielmehr der sexuellen Vereinigung dient, die wiederum magische Kräfte freisetzen soll.

Wie viele andere "schwarze" Praktiken (z.B. das Pendeln oder Händelesen) hat die Verbindung von Sexualität und Magie eine uralte Tradition, während die Berufung auf Götter wie Seth (ägypt. Gott) und die damit verbundene, oft mythische Geschichte einer Sekte Legitimationscharakter verleiht. Das Kulturgut der altorientalischen Völker, der Griechen, Römer, Inder, Chinesen und der altamerikanischen Völker macht, wie schon im Vorwort angekündigt, einen Großteil des Lexikons aus, aber auch das Alte und Neue Testament werden befragt, literarische Bearbeitungen oder wissenschaftliche Disputationen (u.a. Freuds Schrift "Eine Teufelsanalyse im 17. Jh.") herangezogen. Zur Freude des geneigten Lesers wird fast immer eine Übersetzung oder Herleitung des Begriffs/Namens geboten – so stammt "Mephistopheles" aus dem Griechischen, dessen poetische Übersetzung: Der das Licht nicht Liebende.

Das Buch ist jedem zu empfehlen, der sich in der Gesellschaft von Hexen (sowohl schwarzen als auch weißen), Magiern, Mystikern und Teufelsanbetern gut aufgehoben fühlt, der sein Wissen über das, was am Tage verborgen bleibt, vertiefen oder erweitern möchte; dem "Einsteiger" oder Interessierten wird anhand der Haupteinträge "Satan", "Satanismus", "Teufel", "Dämon", "Hexe" und "Hexenprozesse" eine Orientierungshilfe in einer womöglich unüberschaubaren Fülle an Informationen und Fremdwörtern an die Hand gegeben, der bereits Belesene darf nach Lust und Laune bei einem Glas Wein in diesem reich bebilderten Buch schmökern. Und wer dann immer noch nicht genug hat, dürfte mit der Auswahlbibliographie, die immerhin 500 Titel umfasst, ausreichend bedient sein.

gol
05.05.2005

 
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Das Buch:

Marc Roberts: Lexikon des Satanismus und des Hexenwesens

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Graz: Verlag fr Sammler 2004
312 S., 29,90
ISBN: 3-85365-205-0

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