Wissenschaften

Der Versuch einer Demokratie

Die Geschichte des deutschen Reiches gleicht einem Pulverfass, das jederzeit hochzugehen drohte (und noch immer droht). Es gab jedoch eine Zeit, in der eine scheinbare Ruhe einkehrte und erstmals ein Hoffnungsschimmer von Demokratie ersichtlich wurde. Die Weimarer Republik (1918-1933) ging als jene Epoche in die Nationalgeschichte ein, die nach Jahrhunderten der Monarchie erstmals einen ersten Versuch der Volksherrschaft darstellte. Diese ?ra, die nach der Machtergreifung von Adolf Hitler zu einem j?hen Ende fand, ist wohl eine der bestuntersuchten in der Historie, von der man glaubt, keinen neuen Aspekte aufzudecken. Eberhard Kolb beweist nun das Gegenteil: In "Deutschland 1918-1933" spiegelt der emeritierte Professor f?r Geschichte den Werdegang der Weimarer Republik wider und interessiert mit seiner kompakten Form selbst Laien. 

Der Beginn der Weimarer Republik ist ein verlustreicher Anfang. Nachdem das Deutsche Reich im Jahre 1918 den Ersten Weltkrieg verlor und gezwungenerma?en dem umstrittenen Versailler Vertrag nachgeben musste, beginnt mit der Novemberrevolution und der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 eine neue Epoche, die den Grundprinzipien der Demokratie zu folgen versucht. Mit der Verabschiedung der Weimarer Verfassung am 11. August 1919 tritt diese neue Staatsform endg?ltig in Kraft, die lediglich 14 Jahre bestehen bleiben soll. Von der Dolchsto?legende ist in den ersten Monaten die Rede, die sp?terhin den Nationalsozialisten den Weg zur Macht ebnen soll. 

Eine R?terepublik soll die Herrschaft des Volkes sichern, indem ?ber direkt gew?hlte R?te die Forderungen des einfachen Mannes stattgegeben werden. Doch bevor mit der Neuordnung der W?hrung im Jahre 1924 die Goldenen Zwanziger anbrechen, m?ssen die ersten Krisenjahre durchstanden werden. Film und Kino geh?ren in den folgenden f?nf Jahren zum regelm??igen Am?sement, auf das niemand mehr verzichten mag. Der Beitritt Deutschlands in den V?lkerbund 1926 tr?gt ebenfalls zur politischen Beruhigung bei. Doch der Tod Gustav Stresemanns im Oktober 1929 markiert den Anfang vom Ende der Weimarer Republik. Die radikalen Parteien, allen voran die NSDAP, erfreuen sich immer gr??er werdender Beliebtheit - bis es Anfang 1933 zur Macht?bernahme der Nationalsozialisten kommt. 

Eberhard Kolb ist ein Name, den man sich merken sollte, wenn es um die Weimarer Republik geht. Er ist eine der Ausnahmen, die mit wenigen Worten den Kern der Sache trifft und mit "Deutschland 1918-1933" selbst Geschichtsmuffeln die kompakteste und informativste Einf?hrung in das Wesen der Weimarer Republik schenkt, die der deutsche (Fach-)Buchmarkt derzeit bietet. Vierzehn Jahre deutsche Geschichte auf lediglich 251 Seiten kann so unterhaltsam und spannend sein, dass man sich in ihnen regelrecht verliert. Historie und Wissenschaft sind l?ngst keine trockene Angelegenheit, sondern schenken Interessierten kurzweilige Stunden des Wissens - so wie Eberhard Kolb mit "Deutschland 1918-1933. Eine Geschichte der Weimarer Republik". 

Susann Fleischer 
13.12.2010

 
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Das Buch:

Eberhard Kolb: Deutschland 1918-1933. Eine Geschichte der Weimarer Republik

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Mnchen: Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2010
251 S., 19,80
ISBN: 978-3-486-59760-8

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