Hrbcher

Ausbruch aus der Silodenke

In der postapokalyptischen Welt der Silos hat sich Juliette Nichols aus der Mechanik hochgearbeitet zum Mayor von Silo 18. Wider Erwarten war sie zuvor lebend von einer Reinigung zurückgekehrt. Die Reinigung ist eine Strafmaßnahme und praktisch mit der Todesstrafe gleichzusetzen, da man die schützenden Silos verlassen muss, um diese von außen zu reinigen. Die Luft außerhalb der Silos gilt nämlich als verseucht. Auf ihrer Expedition jenseits des Silos 18 konnte Juliette auch Kontakt zu Bewohnern anderer Silos aufnehmen und besitzt somit einen Wissensvorsprung vor ihren Mitmenschen, die nichts von der Existenz weiterer Silos ahnen, geschweige denn wissen.

Juliette agiert als "Bürgermeisterin" in ihrem Silo völlig unkonventionell und abseits der Norm, wodurch sie ihre "Untertanen" massiv verunsichert. Die von ihr für Silo 18 verordnete Abschaffung der Reinigung gilt als Revolution; darüber hinaus lässt Juliette Proben nehmen, um die Welt jenseits des Silos zu erkunden. Von ihr veranlasste Bohrungen sollen gar dazu dienen, einen Zugang zu einem benachbarten Silo zu schaffen. Da die Silobewohner verlernt haben, Anweisungen zu hinterfragen, und stattdessen Befehle bedingungslos ausführen, wirkt Juliettes Handeln arg befremdlich.

Hugh Howey hat mit "Exit" nun einen Schlussstrich unter seine grandiose "Silo"-Trilogie gezogen. Nachdem der Auftakt "Silo" bereits von den Geschehnissen in Silo 18 handelte, war die Fortsetzung "Level" als Vorgeschichte zu "Silo" konzipiert und lieferte Einblicke in Silo 1, das als Kommandozentrale über die gesamte Silo-Welt fungiert. "Exit" führt nun die verschiedenen Handlungsstränge aus den beiden ersten Teilen zusammen und beantwortet die offenen Fragen, die "Silo" und "Level" aufgeworfen hatten. Der Verzehr von "Exit" ist demnach nur mit der Vorkenntnis der beiden Vorgängerromane zu empfehlen. Howey, der zum Schreiben wie die Jungfrau zum Kinde gekommen war, hat mit seiner "Silo"-Trilogie ein riesiges Paket geschnürt und eine verstörende Welt mit vielen packenden Geschichten und Schicksalen konstruiert.

"Exit" entbehrt keineswegs einer gewissen Dramatik, da in Silo 1 turbulente Entwicklungen ihren Lauf nehmen. Der dortige Mayor Donald war einst von Anna, die in ihn verliebt war, zum ersten Mann dieses wichtigsten Silos gemacht worden. Dazu hatte diese ihren Vater Thurman entmachtet, doch kommt dieser nun Donald auf die Schliche und will ihn entmachten. Juliette steht in Kontakt zu Donald, doch dass die Vorgänge in Silo 1 auch ihr Leben bedrohen, ist ihr überhaupt nicht bewusst. In den Silos klammern sich die wenigen Wissenden mit aller Gewalt an ihre Macht, auch wenn dies bedeutet, dass sie ihre Mitmenschen wider besseren Wissens in ihrem eingeschränkten Glauben belassen müssen.

Die vorliegende Hörbuchfassung von "Exit" wird in bewährter Manier von Peter Bieringer gelesen. Knapp 13 Stunden umfasst die vollständige Lesung der Buchvorgabe durch den erfahrenen Rundfunk- und Hörbuchsprecher, der bereits die beiden ersten Teile der "Silo"-Trilogie zum Besten gab. Nachdem Osterwold Audio "Silo" noch als gekürzte Lesung produziert hatte, wurde "Level" glücklicherweise bereits als ungekürzte Lesung umgesetzt. Insgesamt 2000 Minuten lang hat der erfreute Hörbuchhörer nun der Stimme von Bieringer lauschen dürfen und ist dabei eingetaucht in die dystopische Welt der Silos. Er hat Menschen dabei beobachten dürfen, wie sie ob ihres Wesens agieren, wenn von Grund auf neue Strukturen und Hierarchien zu etablieren sind. Die "Silo"-Trilogie zeigt auf, worauf die Welt hinsteuern könnte, wenn sie sich weiterhin in Kriege mit immer verheerenderen Waffen verstricken sollte.

Christoph Mahnel
26.05.2015

 
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Das Buch:

Hugh Howey: Exit

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Sprecher: Peter Bieringer
Hamburg: Osterwold Audio 2015
Spieldauer: 770 Min., 19,99
ISBN: 978-3-869-52222-7

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