Hrbcher

Zeitreise in die Renaissance

Die Deckenmalereien in der Sixtinischen Kapelle unweit des Petersdoms im Vatikan sind eines der meist besuchten Kunstwerke der Welt. Geschaffen wurden sie von Michelangelo, dem bedeutendsten italienischen K?nstler der Renaissance vor exakt 500 Jahren. Grund genug f?r Leon Morell p?nktlich zu diesem runden Geburtstag seinen Michelangelo-Roman "Der sixtinische Himmel" zu ver?ffentlichen. Es ist der erste historische Roman aus der Feder des Berliner Schriftstellers, einem Rom- und Renaissance-Liebhaber, der seine wahre Identit?t hinter dem verwendeten Pseudonym versteckt. Laut eigener Aussage hat er f?r die Erstellung des Buches aufgrund intensiver Recherchearbeit genauso lange ben?tigt wie Michelangelo f?r seine Arbeiten in der Sixtinischen Kapelle, n?mlich viereinhalb Jahre.

Die Geschichte beginnt im Italien des fr?hen 16. Jahrhunderts auf dem heimischen Hof des Bauerjungen Aurelio, wo sich eine Gruppe von S?ldnern einquartiert hat. Nach dem Tod von Aurelios Mutter und der Hof?bernahme durch seinen Bruder sind diese Schicksalsschl?ge Anlass genug f?r Aurelio, die Gegend zu verlassen. Er macht sich auf den Weg nach Rom, um sich seinen Kindheitstraum, Bildhauer zu werden, erf?llen zu k?nnen. Beseelt von einer Begegnung mit Michelangelo in jungen Jahren, steht f?r ihn fest, unbedingt bei diesem bekannten und ber?hmten italienischen Bildhauer h?chstpers?nlich in die Lehre zu gehen.

In Rom angekommen tritt Aurelio in Michelangelos Dienste und wird diesem als Gehilfe zur Seite gestellt, just zu dem Zeitpunkt, als Michelangelo von seinem Intimfeind und Bewunderer Papst Julius den Auftrag zur Gestaltung der Decke in der Sixtinischen Kapelle erhalten hat. Michelangelo verliebt sich in Aurelio, wird sich allerdings zeit seines Lebens nie erlauben, sich seine Homosexualit?t einzugestehen. W?hrend sich die Haupthandlung in der "Der sixtinische Himmel" vorrangig mit der Arbeit an den Deckenfresken besch?ftigt, entwickelt Morell einen Nebenstrang um die sch?ne Kurtisane Aphrodite.

Es geht in Rom n?mlich das Ger?cht um, dass Papst Julius sich eine Kurtisane h?lt, die wundersch?n sein soll, die jedoch noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat. Aurelio begegnet der verschleierten Aphrodite in Rom und ger?t in ihren Bann. Als Aphrodite Michelangelo beauftragt, ohne Wissen des Papstes eine Statue von sich zu erschaffen, und Michelangelo sie dazu in Geheimg?ngen trifft, heftet sich Aurelio an Michelangelos Fersen und beobachtet die Treffen heimlich. Aurelio, der letztlich Michelangelos Muse ist, verliebt sich in Aphrodite, letztere aber wiederum ist von Michelangelo fasziniert. Somit ergibt sich ein unerf?lltes Dreiecksverh?ltnis, dessen Schicksal den weiteren Verlauf der Geschichte bestimmen wird.

Leon Morell erz?hlt mit "Der sixtinische Himmel" eine wundersch?ne Geschichte, die es einem erlaubt, einem solch bedeutenden K?nstler wie Michelangelo ganz nahe zu sein und dessen Genie sowie Wahnsinn in vie-len Facetten miterleben zu d?rfen. Dank der gelungenen und auf verl?sslichen Recherchen basierenden Schilderung kann man sich sehr gut vorstellen, wie einst vor einem halben Jahrtausend die Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle entstanden sind. Die Emotionen Michelangelos werden vom Autor ausf?hrlich dar-gestellt. W?hrend der K?nstler zun?chst h?chst ungl?cklich ?ber den Auftrag ist, da er ja eigentlich Bildhauer ist, bl?ht er im Laufe der Zeit dank der Freiheiten, die er bei der Gestaltung bekommt, f?rmlich auf. Leser und H?rer leiden mit dem K?nstler ob der emotionalen und technischen R?ckschl?ge, die der K?nstler zwischen-durch hinnehmen muss und ihn viel Schlaf kosten. Zugleich erf?hrt er eine Menge an Details ?ber passende Farben, das richtige Mischungsverh?ltnis sowie verwendete Techniken des K?nstlers.

Die H?rbuchausgabe von "Der sixtinische Himmel" ?berzeugt und begeistert dank des gekonnten Vortrags von Wolfgang Condrus, der mit seiner starken und hochgradig in die Handlung involvierten Stimme den H?rer fasziniert, packt und gewinnt. W?hrend die Print-Ausgabe als zus?tzliches Schmankerl einen Schutzum-schlag mit Wendecover bereith?lt, auf dem man das gesamte Deckengew?lbe sieht, und sich im Einband die entsprechenden Erl?uterungen wiederfinden, wartet das H?rbuch leider nicht mit einem ad?quaten Ersatz auf.

Wie so oft in historischen Romanen vermischen sich auch in "Der sixtinische Himmel" historische Tatsachen mit fiktiven Elementen, die lediglich der Phantasie des Autors entsprungen sind. So finden sich in Wirklichkeit unter anderem keine Hinweise auf die tats?chliche Existenz einer Kurtisane des Papstes. Doch eines ist klar: Die Deckenfresken Michelangelos sind echt und faszinieren die Menschen auch noch 500 Jahre nach ihrer Erschaffung. Dank des vorliegenden Werks ist garantiert die Lust geweckt, sich die Fresken live vor Ort an-sehen zu wollen. Wer die Gelegenheit, die Sixtinische Kapelle in Rom zu besuchen, tats?chlich wahrnehmen kann, wird Michelangelos Fresken von nun an mit ganz anderen Augen ansehen. 

Christoph Mahnel
18.06.2012 

 
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Das Buch:

Leon Morell: Der sixtinische Himmel

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Sprecher: Wolfgang Condrus
Berlin: DAV 2012
Spielzeit: 509 Min., 19,99
ISBN: 978-3-86231-154-5

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