Hrbcher

Gestatten , H******* Schrder!

Große Tristesse beim kongenialen Duo Schröder/Zorn. Der Umstand, ob des angeordneten Innendienstes nicht seinem eigentlichen Job nachgehen zu können, frustriert Claudius Zorn enorm. Dies lässt er nur allzu gern an Schröder, seinem Vorgesetzten aus, der selbst auch nicht die eine oder andere Spitze unterlassen kann. Claudius Zorn war in seinem letzten Fall gerade noch einmal mit dem Leben davongekommen, doch es mussten ihm einige Finger amputiert werden. Daher findet er sich nun im Zuge der Wiedereingliederung erstmal im Innendienst wieder, was ihm natürlich überhaupt nicht behagt. Doch kommt ihm schließlich der Zufall zu Hilfe: Bei einem Spaziergang läuft Zorn ein junger Mann in die Arme, den er rasch als Brandstifter einer soeben begangenen Tat überführen kann. Ignaz Stein, so der Name des jungen Pyromanen, wird der Therapiegruppe eines gewissen Marek Schleef überstellt.

Diese Gruppe rückt schlagartig in den Fokus von Zorn und Schröder, als eine Patientin Selbstmord begeht, ein anderer einen Amoklauf veranstaltet und es noch weitere Auffälligkeiten gibt. Schröder schleust sich wagemutig und "undercover" als Patient in diese Therapiegruppe ein. Abgesehen davon, dass Schröder sich mit diesem eigenwilligen Schritt letztlich in allergrößte Lebensgefahr begibt, wird in einem Therapiegespräch zwischen Schröder und Schleef das große Geheimnisse des dicken Schröder enthüllt: Sein Vorname! Nachdem er jahrelang konsequent die Erwähnung und Verbreitung seines wenig geliebten Namens gegenüber allen Menschen in seinem Umfeld vermeiden konnte, fällt dieser nun in einer Sitzung mit Schleef. Nur mit allergrößten Tricksereien kann Schröder schließlich gegenüber Zorn verhindern, dass dieser seinen Vornamen für bare Münze nimmt.

Der siebte Teil der Zorn-Reihe trägt den Titel "Lodernder Hass" und beschreibt damit das, was in besagter Therapiegruppe zum Ausbruch kommt. Parallel zur Taschenbuchausgabe beim Fischer Verlag hat der Audio Media Verlag eine Hörbuchausgabe herausgebracht. Seit dem sechsten Teil erscheinen die Hörbücher nun bei den Münchenern, nachdem der Argon Verlag unverständlicherweise die Produktion dieser erfolgreichen Serie nach den ersten fünf Teilen nicht fortgeführt hatte. Mit David Nathan sitzt aber bereits seit Numero eins der Serie vor knapp sechs Jahren der richtige Mann am Mikrofon, wenn es gilt, die gleichsam spannenden wie auch erheiternden Geschichten um Zorn und Schröder zum Besten zu geben. An Nathans Performance ist auch dieses Mal nichts auszusetzen, obgleich man bei der vorliegenden, gekürzten und auf sechs CDs erschienenen Hörbuchausgabe manches Mal das Gefühl hat, dass die Story Schluckauf hat. Nun ja, schließlich hat die gekürzte Lesung gegenüber der zum Download erhältlichen ungekürzten Lesung Einbußen von mehr als 40% zu tragen.

Ein Einstieg in die Zorn-Reihe lohnt sich definitiv auch mit diesem siebten Teil, allerdings wird der treue Hörer, der die beiden Protagonisten von Anbeginn begleitet, aufgrund der Verbundenheit und der gemeinsamen Erlebnisse die Geschichte viel intensiver erleben. Bedenkt man alleine, welche Wendung das hierarchische Verhältnis zwischen Schröder und Zorn im Laufe der Zeit genommen hat, hält der vorliegende Fall alleine wegen dieser Konstellation allergrößtes Schmunzelpotential bereit. Die große Enthüllung in "Lodernder Hass" bietet natürlich das scheinbar enttarnte Versteckspiel rund um Schröders Vornamen. Doch keine Sorge, am Ende sind nur Hörer und Leser schlauer als zuvor. Der oftmals wegen seiner Äußerlichkeiten unterschätzte Schröder beweist zum wiederholten Male, dass er wirklich ein ganz cleverer Hund ist und sich seinen Aufstieg bei der Kriminalpolizei redlich verdient hat.

Stephan Ludwigs Zorn-Reihe, für die Halle an der Saale den geographischen Hintergrund bietet, obgleich dies nie explizit benannt wird, gehört mittlerweile zu einer der beliebtesten und erfolgreichsten deutschen Kriminalreihen der Gegenwart. Büchern und Hörbüchern mit einem neuen Zorn fiebert die immer größer werdende Fan-Gemeinde stets ungeduldig entgegen. Dies liegt vor allem daran, dass Stephan Ludwig eine sehr gute Balance in seinen Fällen findet, die - so wie es sich gehört! - als Grundlage einen spannenden Kriminalfall haben, aber in denen vor allem zwei sympathische Protagonisten, die vom Autor beständig weiterentwickelt werden, brillieren. Gewiss wird es in naher Zukunft auch einen achten Zorn geben, den Leser und Hörer wiederum verschlingen werden. Stephan Ludwig hat nämlich die Erfolgsformel dafür gefunden, wie gute deutsche Krimi-Unterhaltung dieser Tage auszusehen hat.

Christoph Mahnel
19.02.2018

 
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Das Buch:

Stephan Ludwig: Zorn - Lodernder Hass

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Sprecher: David Nathan
Mnchen: Audio Media Verlag 2018
Spielzeit: 443 Min., 19,99
ISBN: 978-3-95639-324-2

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