Romane

Ein Teenager in (Liebes-)Nten

Es dauert sage und schreibe f?nf Seiten und schon verr?t Autor Paul Murray seinen Lesern das Finale der Trilogie "Skippy stirbt". Auch wenn man meinen k?nnte, dass eine Geschichte mit dem Tod des Protagonisten schlie?t - mit diesem Roman tritt der irische Schriftsteller den Gegenbeweis an, denn das dramatische Ende von Daniel "Skippy" Juster ist lediglich der Ausgangspunkt f?r die Betrachtungen pubert?rer Teenager, die am Wendepunkt ihres Lebens stehen. "Hopeland", "Heartland" und "Ghostland" erz?hlen aus dem Leben mehrerer Jungen, die in einem irischen Eliteinternat den Unzul?nglichkeiten ihres Daseins und der Liebe ausgesetzt sind.

Ruprecht Van Doren und Skippy sind nicht nur Zimmergenossen, die sich ein winziges K?mmerchen im Turm des Seabrook College teilen, sondern zugleich auch beste Freunde, die schon seit ewigen Zeiten Freud und Leid miteinander teilen. Umso gr??er ist f?r Ruprecht der Schock, als ein Doughnut-Wettessen das Ende dieser Zweisamkeit bedeuten soll. Doch bevor es soweit ist, l?sst der Vierzehnj?hrige die vergangenen Wochen und Monate Revue passieren und f?hrt dabei nicht nur sich selbst an einen Abgrund. Dabei sollte die Teenager-Zeit die sch?nste in den kommenden Jahren sein, bevor der Ernst des Lebens ihnen kaum mehr M?glichkeiten f?r innovative Entfaltung l?sst. Diese bieten sich hier zuhauf ...

Ruprecht ist ein typischer Stubenhocker, der erst bei der L?sung mathematischer Probleme und in der Entwicklung neuer, moderner Techniken aufbl?ht. Er glaubt an die Existenz au?erirdischer Lebensformen und begibt sich - trotz wiederholter Fehlschl?ge - auf die Suche nach ihnen. Sein Freund Skippy dagegen ist von einem anderen Kaliber. Er sieht f?r seine Verh?ltnisse ziemlich gut aus, ist im Schwimmen ein echtes Ass und kommt auch in der Damenwelt ganz gut an. So auch bei Lorelei "Lori" Wakeham, die jedem Jungen des Seabrook College den Kopf verdreht - so auch Carl, den stadtbekannten Teilzeit-Drogendealer und offiziellen Schulpsychopath.

Bei einem Ball an Halloween kommt es zu einem ersten Showdown, der allerdings von den Lehrern des Internats im entscheidenden Moment (vorerst) unterbrochen wird. Und doch zeichnet sich an diesem Abend eine Art Aufbruch in eine unbestimmte Zukunft ab, die f?r Skippy, Ruprecht, Lori und all die anderen ein gro?es Ungl?ck bedeutet. Doch bis sie zu jenem Abend des Doughnut-Wettessens kommen, flie?t noch viel Wasser den Bach hinunter - und mit ihm ebenso viele Tr?nen, Gl?cksmomente und die Irritationen angehender Erwachsener.

Die junge irische Literatur hat mit Paul Murray eine eindrucksvolle Stimme, die man kaum ?berh?ren kann - und dieses auch keinesfalls darf und sollte. Sein Roman "Skippy stirbt" ist eine epische Odyssee, die in die Untiefen des Teenager-Daseins f?hrt und dabei den Leser einen Spiegel seiner Selbst vorh?lt. Gelingen tut ihm dies mit einer Komik, die im Urwesen der Sprache liegt, ?u?erst lebendigen Charakteren und einem Themenspektrum, die einen allesamt zuweilen erschauern lassen - insbesondere wegen ihrer Kraft, die ihnen innewohnt. Paul Murray gelingt mit seiner Trilogie ein generationen?bergreifender Roman, der Leser von 14 bis hinauf zu 99 Jahren gro?artige Unterhaltung in kleinen Worten schenkt. Da verwundert es kaum, dass "Skippy stirbt" f?r den Booker Prize 2010, dem wichtigsten britischen Literaturpreis, nominiert war.

Susann Fleischer
07.03.2011

 
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Das Buch:

Paul Murray: Skippy stirbt. Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein und Martina Tichy

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Mnchen: Antje Kunstmann Verlag 2011
782 S., 26,00
ISBN: 978-3-88897-700-8

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