Romane

Ein Fantasy-Abenteuer der etwas anderen Art

Das Leben von Sebastian Schätz verläuft nicht gerade ideal: Im Schreibtisch vermodern die Uni-Bewerbungen, das Geld aus dem Job im Asialaden deckt gerade so die Mietkosten und bei Freundin Kim ist außer wildem Geknutsche nichts drin. Mehr Chaos kann der 21-Jährige wahrlich nicht gebrauchen, aber das lässt leider nicht lange auf sich warten. Der Beginn seltsamer Begebenheiten ist der Moment, als eines Nachts eine Fledermaus in Sebastians Schlafzimmer rauscht und den jungen Mann in wahre Bedrängnis bringt: Bei dem Versuch, sie zu verjagen, klemmt sich Sebastian schmerzhaft den Arm ein und wartet verzweifelt auf Rettung - durch den MAD, den Medizinischen Außendienst.

Ab dieser Nacht ist nichts mehr, wie es einmal war. Erst verhilft Sebastian einem Oger zur Flucht, dann bietet er einem Domowoj (russischer Hausgeist) Unterschlupf in seiner Spüle und Zwerge von der GEZ verhören ihn im heimischen Wohnzimmer. Und das soll erst der Anfang sein, denn wie sich zeigt, wimmelt es in der Welt der Menschen nur so vor fantastischen Wesen. Und auch Kim scheint ein Geheimnis zu haben, denn eines Tages macht sie Knall auf Fall mit Sebastian Schluss - obwohl sie immer noch etwas für ihn empfindet. Wie Sebastian erfahren soll, ist Kim ein Anthropomorph und hält sich als scheinbare Normalsterbliche unter den Menschen auf. Kontakt zwischen den Lebensformen ist allerdings strengstens verboten. Da Kim dieses Verbot übertreten hat, droht ihr nun die Verbannung und Sebastian ein brutaler Tod. Dem jungen Mann bleibt nicht viel Zeit, um sein und Kims Leben zu retten.

Mit "Fledermausland" belegte Oliver Dierssen den zweiten Platz beim Heyne-Wettbewerb "Schreiben Sie einen magischen Bestseller". Mit einer grotesken Story, skurrilen Figuren und erfrischend unkonventionell nimmt der Autor in seinem Debütroman die typischen Klischees rund ums Fantasy-Genre kräftig aufs Korn. Bei der GEZ arbeiten Zwerge, Vampire können auch von Depressionen heimgesucht werden und der Kioskbesitzer entpuppt sich als profitgeiles Fabelwesen. Wer nun meint, dass lediglich die Fabelwelt ihr Fett wegbekommt, irrt sich - und zwar gewaltig. Dierssen rechnet in seinem neuen Buch gleichfalls mit der Menschenwelt ab - insbesondere mit den Studenten und Asialäden. "Fledermausland" brennt ein Gag-Feuerwerk der fantastischen, zauberhaften Art ab, das seinen Lesern auch Stunden nach dem Weglegen noch so manchen Lacher entlockt.

Susann Fleischer
25.01.2010

 
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Das Buch:

Oliver Dierssen: Fledermausland

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München: Heyne Verlag 2009
448 S., € 12,95
ISBN: 978-3-453-26663-6

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