Krimis & Thriller

Ein Krimi um geheime Projekte whrend des Zweiten Weltkriegs

Patrick Lennons neuer Krimi "Stahlhexen" beginnt für den Leser recht verwirrend, denn auf den ersten Seiten wird der Rezipient von einem seltsam anmutenden Telefonat zwischen Tom Fletcher, dem Protagonisten des Romans, und seinem Vater überrascht. Der Hintergrund: 18 Jahre haben sich Vater und Sohn wegen eines Streites nicht mehr gesprochen und nun überfällt Jack Fletcher seinen Jungen mit dem Satz: "Wir müssen ihn töten." Bereits diese Aussage mutet bizarr an, aber noch unklarer ist für den Rezipienten beim anfänglichen Lesen, warum sich der 33-jährige Ex-Polizist tatsächlich nach dem Anruf zu dem Ort begibt, an dem sich angeblich jener Mensch befindet, der ermordet werden soll.

Die Aufklärung erfolgt schnell, als Fletcher wenig später eine Leiche entdeckt, die sich als Nathan Slade herausstellt. Slade scheint ein guter Bekannter von Fletchers Eltern gewesen zu sein, sodass Fletcher sich dazu berufen fühlt, den Mord aufzuklären. Zumal er der örtlichen Polizei misstraut - war er doch selbst lange Jahre Polizist und hat als solcher schlechte Erfahrungen gemacht.

Bei seinen Ermittlungen zu diesem Mordfall erfährt Tom, dass Slade bei dem US-amerikanischen Unternehmen "Bellman Foundation", eine weltweit operierende Firma für Luft- und Raumfahrt, militärische Forschung und Waffenproduktion, als leitender Angestellter tätig war. In der Tatnacht war Slade mit Daisy Seager zusammen, einer Studentin der Physik am Felwell College, die nebenher als Hostess in einem fragwürdigen Nachtclub arbeitet. Schnell steht Daisy auf der Fahndungsliste der Cambridger Polizei. Und während diese der Spur von Daisys zwielichtiger Arbeit nachgeht, stellt Fletcher eigene Nachforschungen an. So erfährt er, dass Daisy einer Verbindung zwischen der "Bellman Foundation", dem College, der US Air Force und den so genannten "Stahlhexen" - künstlerischen Porträts auf US-amerikanischen Flugzeugen, die während des Zweiten Weltkrieges im Einsatz waren, und eine Verkörperung von Hexen darstellen - auf der Spur war. Jedoch musste sie mit ihrem Leben dafür bezahlen, wie sich einen Tag später herausstellt, als Fletcher ihre Leiche entdeckt.

Nach einer gründlichen Durchsuchung von Slades Unterlagen und Daisys Wohnung findet Fletcher Fotos von sich und seinen Eltern, die ihm verdeutlichen, dass offenbar eine geheimnisvolle Verbindung zwischen seiner Familie und den ermordeten Personen zu bestehen scheint. Im Laufe des Buches wird deutlich, dass Fletchers Mutter in Gefahr ist, weil sie vor langer Zeit Nachforschungen bezüglich eines geheimen US-Luftwaffenstützpunktes betrieb. Ihre daraus erworbenen Kenntnisse sind dem Mörder ein Dorn im Auge, sodass Kate Fletcher als Nächste auf seiner Liste steht. Kann ihr Sohn Tom sie noch rechtzeitig finden und beschützen? Man darf gespannt sein.

Patrick Lennon legt nach seinem Debüterfolg "Tod einer Strohpuppe" mit "Stahlhexen" erneut einen handlungsreichen Kriminalroman vor, der insbesondere Freunde von Verschwörungstheorien spannende Lesestunden bereiten wird. Auch wenn der Beginn etwas holprig und verwirrend für den Leser erscheint, wird der Plot Stück für Stück durchsichtiger, sodass der Rezipient letztendlich vom Geschehen mitgerissen wird. Dem fein abgestimmte Katz-und-Maus-Spiel zwischen Tom Fletcher und dem Mörder fehlt es nicht an dramatischen und spannenden Momenten.

Die Story regt den Rezipienten zum Mit- und Weiterdenken an, ohne dass der Unterhaltungsfaktor des Krimis verloren geht. Doch der Leser hat gegenüber den Privatermittlungen Tom Fletchers einen entscheidenden Vorteil: Eingestreute Passagen von Erzählungen einer jungen Frau, die während des Zweiten Weltkrieges in der Nähe eines inzwischen verschwundenen US-Luftwaffenstützpunktes lebte, verschaffen ihm einen Wissensvorsprung, den sich Tom Fletcher mühsam kombinieren muss. Somit ist der Rezipient Leser und Ermittler zugleich. Mehr kann man kaum von einem guten Krimi erwarten.

Susann Fleischer
21.09.2009

 
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Das Buch:

Patrick Lennon: Stahlhexen. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Barbara Ostrop

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Mnchen: dtv 2009
384 S., 8,95
ISBN: 978-3-423-21163-5

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